Beringungsdaten

Naturschutzgebiet Zugvogelschutzgebiet Leitersdorf Aktivitäten und neue Beobachtungen (Juni 2009)


Blaukehlchen (Photo: Markus Russ; 23. 05. 2008)

Zur Zugvogelberingung
Seit Beginn der Zugvogelberingung im Jahr 1995 mit zwei Stück je sechs Meter langen Netzen bis zum vergangenen Jahr mit etwa 200 Laufmetern aufgestellten Netzen haben wir ungefähr 20000 Vögel beringt. Unsere Liste mit 67 beringten Arten kann sich durchaus sehen lassen. Hervor zu heben wären hier unsere „Stars“ wie Blaukehlchen (Foto), Sperbergrasmücke (Foto), Gartengrasmücke, Nachtigall, Eisvogel usw.


Sperbergrasmücke (Photo: Markus Russ; 30. 08. 2005)

Unser Hauptdurchzugsvogel ist und bleibt aber die Rohrammer. Rund 7000 Vögel dieser Art wurden am Durchzug beringt oder mit bereits vorhandenen Ringen anderer Beringungsstationen aus ganz Europa kontrolliert. Dabei konnten wir bei dieser Art starke jährliche Schwankungen im Durchzug, wie etwa im Jahre 2004 mit 1338 beringten Exemplaren und im Jahre 2008 mit 525 Ex. bei ungefähr gleich aufgestellten Netzen, feststellen. Mit ein Grund für diese Zugschwankungen ist natürlich auch das Wetter. Detailliert auf die genauen Zusammenhänge einzugehen würde die Seitenzahl dieser Ausgabe bei Weitem sprengen.

 Beobachtungen auf dem Durchzug
Auf dem Durchzug konnten wir noch weitere sehr interessante Vögel beobachten. Hier eine Liste dieser im Bereich des Naturschutzgebiets beobachteten Arten:
Purpurreiher, Seidenreiher, Schreiadler, Schelladler, Fischadler, Wanderfalke, Zwergrohrdommel, Tüpfelsumpfhuhn, Schwarzstirnwürger, Maskenstelze, Grauammer.
Wir werden weiterhin Beobachten, Untersuchen und die Ergebnisse dieser Tätigkeiten in einer späteren Ausgabe der Mitteilungen der Biologischen Arbeitsgemeinschaft veröffentlichen.


Schwarzstirnwürger im Natruschutzgebiet Leitersdorf (Photo: Markus Russ; 23. 05. 2008)

Johann Weinhofer, Andreas Wutzl, Markus Russ

————————————————————————————————-

1995 – 2009: 15 Jahre Zugvogelberingung im Naturschutzgebiet Leitersdorf

In diesen fünfzehn Jahren wurden im NSG Leitersdorf insgesamt 69 Vogelarten mit 18606 Individuen beringt. Auf Grund des untersuchten Lebensraumes wurden in erster Linie nur typische Schilf bewohnende Vogelarten (div. Rohrsänger, Beutelmeise, Rohrammer) gefangen.

Auch Arten die sich während des Durchzuges gerne in Schilfflächen aufhalten, bzw. welche die Schilffläche als Schlafplatz nutzen (z.B. Feldsperling, Heckenbraunelle, Zilpzalp, Rauchschwalbe, Goldammer) wurden in größerer Zahl gefangen.

Die nachfolgenden Aufstellung zeigt die Arten, die in größeren Mengen gefangen und beringt wurden.
(In diesen Zahlen sind auch die Wiederfänge der jeweiligen Art enthalten)

Bachstelze*                                    125 Ex.
Heckenbraunelle                            764 Ex.
Rotkehlchen                                   158 Ex.
Schwarzkehlchen*                         164 Ex.
Schilfrohrsänger                             825 Ex.
Teichrohrsänger                             130 Ex.
Sumpfrohrsänger*                          1552 Ex.
Zilpzalp                                           443 Ex.
Kohlmeise                                       165 Ex.
Beutelmeise                                    278 Ex.
Neuntöter*                                      128 Ex.
Feldsperling                                    5057 Ex.
Rohrammer*                                   7029 Ex.
Goldammer*                                   450 Ex.

* = Brutvogel im NSG.

Die Vogelwarte Radolfzell hat in ihren Rundschreiben immer darauf hingewiesen, diverse Arten (z.B. Feldsperling, Star, Kohlmeise, Blaumeise usw.) nicht zu beringen, da genügend Datenmaterial vorhanden ist. Nach Rücksprache mit der Vogelwarte konnten dann ab dem Jahre 2001 alle Vögel die sich in den Netzen befanden, beringt werden.
Von den Rohrsängern ist nur der Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) und seit 2009 auch der Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus) Brutvogel im NSG. Die Schilffläche und ein dicht bewachsener Vorflutgraben, vor allem mit Seggenarten (Carex sp.) und Mädesüß (Filipendula ulmaria), sowie einige Flächen mit Goldrute (Solidago canadensis) und Brennessel (Urtica dioica) sind ein hervorragendes Brutbiotop für den Sumpfrohrsänger.
Die vielen Wiederfänge adulter Vögel dieser Art (ältester Ringfund fünf Jahre nach Beringung) zeigen die Wichtigkeit solcher Brutgebiete. Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) und Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) sind Durchzieher, wobei sich die Fangzahlen des Schilfrohrsängers fast verdoppelt haben.

Die Laubsänger (Phyloscopus sp.) und die Heckenbraunelle (Prunella modularis) sind im NSG reine Durchzügler, daher schwankt die Zahl der beringten Vögel von Jahr zu Jahr beträchtlich.
Auch die Meisen (Paridae) spielen in den Fangzahlen eine eher untergeordnete Rolle, lediglich die Beutelmeise (Remiz pendulinus) wird in den letzten Jahren zum regelmäßigen Durchzieher. Einige interessante Fernfunde können hier aus dem Raum Tschechien, Slowakei und Ungarn gemeldet werden (Tab. 1A). Eine Beutelmeise wurde z.B. am 28.9.2008 in Leitersdorf beringt und schon am 13.10.2008 an der südkroatischen Adriaküste konrolliert.
Der Feldsperling (Passer montanus) benützt die Schilffläche nur als Schlafplatz. Die Einflüge beginnen um ca. 16.00 Uhr und enden erst mit Dämmerungsbeginn. Als Sammelplatz benützen sie die umliegenden Maisäcker und fliegen dann in Trupps von etwa 100 – 200 Exemplaren in das Schilf ein. Da der größte Teil dieser Feldsperlingtrupps aus diesjährigen, also noch unerfahrenen Individuen besteht, konnten mit flexibel aufgestellten Netzen in den Einflugstrecken sehr gute Fangergebnisse erzielt werden. Interessanterweise wurden diese Netze schon ab dem nächsten Tag gemieden und der Schlafplatz von anderen Seiten angeflogen. Nach unseren Beobachtungen dürften sich in den Monaten Juli bis Mitte Oktober ca. 600 – 700 Exemplare täglich im Schilf aufhalten. Ab der Oktobermitte nehmen die Fangzahlen des Feldsperlings kontinuierlich ab. Dies ist wahrscheinlich auf eine Umherwanderung zu anderen Schlafplätzen (Neudauer Teiche, Burgau, Hartberger Gmoos usw.) zurückzuführen. Totfunde aus dem Raum Feldbach und aus dem Mürztal zeigen aber auch, dass diese Art durchaus weitere Wanderungen unternimmt.
Erstaunlich sind die Fangzahlen beim Neuntöter (Lanius collurio). Diese Art brütet jährlich im Naturschutzgebiet (1 Paar). Der Durchzug beginnt Mitte August und endet in der zweiten Septemberhälfte. Der überwiegende Teil der beringten Individuen sind diesjährige Vögel, wobei die Wiederfangrate bei etwa 50% liegt. Die Aufenthaltsdauer einiger ziehender Jungvögel betrug bis zu acht Wochen ab Beringung.
Die Rohrammer (Emberiza schoeniclus) ist mit 7029 Exemplaren die am häufigsten gefangene Art des Untersuchungsgebietes. Als Brutvogel ist sie mit 2 bis 3 Brutpaaren eher unbedeutend, als Durchzügler und teilweise als Wintergast konnten bei der Beringung in den vergangenen fünfzehn Jahren aber riesige Datenmengen gesammelt werden.
Vor allem im Monat Oktober, in dem alljährlich der Hauptdurchzug dieser Art stattfindet, wurde bei entsprechender Wetterlage an allen Tagen beringt.
Dass mit zunehmender Netzlänge (Tab.1) natürlich die Anzahl der beringten Individuen steigt, ergibt sich von selbst. Dies ändert aber nichts am Zugbeginn und am Zugende. Wie aus den Tabellen 2 bis 6 ersichtlich, beginnt der Hauptzug etwa am 4. Oktober und endet ungefähr mit Oktoberende eines jeden Jahres. Als Ausnahme muss man das Jahr 2004 betrachten. In diesem Jahr wurden 1338 Exemplare beringt und wie in der Tabelle 5 dargestellt, begann hier der Hauptzug bereits am 26. September und endete erst in der zweiten Novemberhälfte.


Schilfrohrsänger (Photo: Markus Russ)

Aus der Tabelle 1 ist auch ersichtlich, dass sich die Zahl der beringten diesjährigen Exemplare zur Gesamtzahl der beringten Rohrammern zwischen 40% und 50% bewegt. Bei Zugbeginn treffen in der Regel adulte Weibchen zuerst ein. Es folgt dann die Masse der Individuen und zum Zugende treffen alljährlich sehr starke Männchen mit einem Körpergewicht bis zu 28 Gramm ein. Ob diese starken Exemplare aus dem hohen Norden oder aus dem Baltikum zuziehen, lässt sich von uns nicht feststellen.