Entstehungsgeschichte

Mit Jahresende 2009 wird im Naturschutzgebiet Leitersdorf seit fünfzehn Jahren wissenschaftliche Vogelberingung betrieben. Seit 1995 werden in einem kleineren Schilfbestand (damals ca. 3000 m2) mit Japannetzen hauptsächlich Singvögel gefangen und mit Ringen der Vogelwarte Radolfzell beringt.
Das Fanggebiet befindet sich im Safenbachtal. Es liegt ungefähr in der Mitte des Talbodens, 500 Meter südlich der Ortschaft Leitersdorf (Steiermark, Bez. Hartberg, Gemeinde Bad Waltersdorf, ÖK 166: 47,08 N, 16,01 E , 280 m NN). Ab Mitte der 1950er Jahre wurde dieser Talabschnitt durch Meliorisierungsmassnahmen trocken gelegt und so für die heutige moderne Landwirtschaft mit allen für die Umwelt negativen Folgeerscheinungen nutzbar gemacht.
Durch Staunässe am Hangfuß haben sich einige Schilfbestände (Phragmites australis) – trotz aller Drainagierungsmassnahmen – im Safenbachtal hartnäckig erhalten und bilden so die Grundlage für Rückzugsflächen im sonst vom Maisanbau dominierten Tal. Nach dem Ankauf einer Wiese mit ca. 1,8 ha mit dem so wichtigen Schilfbestand durch die Biologische Arbeisgemeinschaft (Mag. Ronald Pichler) und benachbarter Flächen durch die Österreichische Naturschutzjugend, Landesgruppe Steiermark, (Hermann Steppeler) war die wissenschaftliche Vogelberingung gesichert.
Nun wurden Hecken gepflanzt: Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Feldahorn (Acer campestre), Roter Hartriegel (Cornus sanguinea), Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus), und weitere Arten. Es wurden auch Seichtwasserflächen angelegt, um unserer Vogelwelt auch in Zukunft in den ausgeräumten Agrarlandschaften des Oststeirischen Hügellandes geeignete Nist-, Nahrungs- und Rastplätze zu bieten.
Durch weiteren Zukauf einiger Maisäcker – diese wurden sofort nach dem Kauf in Wiesen umgewandelt – und Wiesenflächen durch die beiden Organisationen hatte sich die Grundstücksgröße auf über 8 ha vergrößert und wurde im Jahre 2006 auf unseren eigenen Antrag hin unter Naturschutz gestellt. Mittlerweile hat sich die Schilffläche auf etwa 5000 m2 ausgedehnt. Teile dieser Wiesen vernässen zusehends und mit dem Anlegen eines weiteren Teiches mit einer Fläche von ca. 800 m2 wurden weitere wertvolle Nahrungs- und Ruheräume geschaffen. Die Vielfalt der Lebensräume wurde durch das Anlegen einer Schotterfläche im Uferbereich weiter erhöht.
15 Jahre Zugvogelberingung sind eine lange Zeit, in der viele tausende Stunden aus Idealismus und Liebe zu unserer Vogelwelt in allen Jahreszeiten – egal ob bei sengender Hitze oder klirrender Kälte – am Beringungsort verbracht wurden.


Die Rohrammer ist das Symboltier des Zugvogelschutzgebiets Leitersdorf (Photo: Markus Russ)

Anfangs gab es weder elektrisches Licht noch einen entsprechenden Raum, in dem man vor Hitze, Wind usw. geschützt arbeiten konnte. Der Kofferraum des Autos musste als so genannte transportable Beringungsstation herhalten. Das mickrige Licht der Kofferraumbeleuchtung und eine Taschenlampe genügten zwar bei Dunkelheit zur Artbestimmung, waren aber bei gewissen Vogelarten für die Altersbestimmung absolut ungenügend.
Ein lieber Zufall – ein Hochsitz der örtlichen Jägerschaft wurde bei einem Gewittersturm umgerissen – ließ die Idee aufkeimen, einen neuen Hochsitz mit darunter liegendem Arbeitsraum zu bauen, in dem beide Seiten, sowohl die Jäger für ihr Hobby, als auch wir Beringer einen geeigneten Standort fanden, um der Beringung wettergeschützt nachzugehen. Nach der Absegnung durch die Behörde der Gemeinde – Hochsitz ja, Beringungsstation nein, weil Freiland – wurde in Eigenregie der heute bestehende Beobachtungsturm mit Arbeitsraum gebaut. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach liefert genug Strom für die Batterien, aus denen wir die Energie für das Licht und die Geräte, die zur Beringung notwendig sind, brauchen.
Vom Jahre 1995 bis zum Jahr 2001 wurde ausschließlich im Schilfbestand beringt. Die Netzlänge betrug von 1995 bis 1997 12 Laufmeter, von 1998 bis 2000 18 Laufmeter, 2001 36 Laufmeter und von 2002 bis 2003 84 Laufmeter. Wie aus der Tabelle 1 ersichtlich, war die Relation der Gesamtfänge zur aufgestellten Netzlänge durchaus beachtlich. Ab dem Jahre 2004 wurden auch in den Gebüschstreifen, sowie außerhalb der bestehenden Schilffläche einige Netzbahnen angebracht. Ab diesem Zeitpunkt beträgt die durchschnittliche Netzlänge etwa 120 Laufmeter. Die ausgemähten Bahnen im Schilf sind ungefähr 1,80 m breit und können bei Kontrollgängen in einer Runde durchgangen werden. Die Länge der verwendeten Japannetze betrug bis zum Jahre 2000 6 Laufmeter und wurde ab 2001 auf 12 m- Netze umgestellt. Eine Netzbahn mit einer Länge von 24 m über einem kleinen Teich mit Schilfvegetation hat sich als äußerst fängig erwiesen.
Berufsbedingt konnte in den Anfangsjahren an Wochentagen erst ab etwa 18.00 Uhr beringt werden. Die Wochenenden wurden deshalb intensiv genutzt, nur bei Sturm und Regen blieben die Netze im Arbeitsraum. Ab dem Jahre 2004 wurde – durch berufliche Veränderungen – die Beringungszeit deutlich erhöht, was sich natürlich in den Fangzahlen wiederspiegelt (Tab. 1). Die in den Gebüschstreifen bei Holunder und anderen Beeren tragenden Arten aufgestellten 6m-Netze haben sich zur Zugzeit der Grasmücken und Laubsänger als sehr fängig erwiesen. In den Monaten Februar bis April wurde alljährlich an diversen Tagen beringt, auch um den Zugbeginn und das ungefähre Ende des Vogelzuges festzuhalten. Mit der intensiven Beringung wurde in den ersten Julitagen – nach dem Abflug der jungen Sumpfrohrsänger – begonnen und in den meisten Jahren um den 15. November beendet.